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Frequenztrennung mit GIMP 2.10

Eigentlich bin ich kein Freund von Photoshop und Co. So bearbeite ich meine Bilder in der Regel nur in Lightroom. Hier habe ich mir auch eine beachtliche Bibliothek mit eigenen Presets aufgebaut. Klar, ich nutze im Endeffekt nur ca. 3 Vorlagen für Schwarzweiß und vielleicht 4 für farbige Bilder.

Eine weitergehende Bearbeitung stellte sich erst als Aufgabe, als zunehmend kommerzielle Shootings, also Aufträge reinkamen. Einige KundenInnen bestanden dann doch auf intensivierte Hautretusche.

In der Regel wird bei der professionellen Bildbearbeitung dann auf Photoshop zurückgegriffen. Meine letzte Photoshop Version auf dem PC war CS2. Seit ich vor langer Zeit (fast) komplett auf Linux umgestiegen bin, ist GIMP für mich das Programm der Wahl. Eine Partition auf dem Rechner hat noch eine Windows 7 Version drauf um mittels Lightroom meine Bilder zu entwickeln. LightZone, Darktable und Co., welche auf Linux laufen haben nach wie vor ganz entscheidende Schwächen und können LR für mich zur Zeit nicht ersetzen.

Ich habe das Netz durchforstet, ob es gute Tutorials für GIMP gibt, welche das Thema Hautretusche behandeln. Nun gut, ich habe etwas gefunden für die Vorgängerversion GIMP 2.08. Diese funktionieren nicht zufriedenstellend auf der aktuellen Version 2.10, welche ich benutze. Ich habe verschiedene Wege der gefundenen Ideen abgeleitet und einen für mich brauchbaren Weg gefunden.

Also, ran an die Praxis, wie ich mit Frequenztrennung eine Hautretusche in GIMP 2.10 angehe:

  1. Bei mir liegen die zu bearbeitenden Bilder im RAW Format vor. Nach der Entwicklung in Lightroom habe ich diese in bestmöglicher Auflösung – ohne Bildschirm- oder Druckschärfung mit 300dpi als .tif exportiert. Dieses wird nun in GIMP importiert und zweimal dupliziert. Rechts in der Ebenenansicht werden mir nun insgesamt drei Ebenen angezeigt. Ich benenne diese gleich um, die oberste in ‚Original‘, die zweite ‚Hochfrequenz‘ und die dritte ‚Niederfrequenz‘. Das Original bleibt ganz oben. So kann ich mit einem Klick auf ‚sichtbar‘ immer sofort den Fortschritt kontrollieren.

  2. Das ‚Original‘ schalte ich jetzt aus und aktiviere die ‚Hochfrequenz‘ Ebene, zweite Ebene von oben. Im Menue ‚Filter‘ finde ich den Eintrag ‚Verbessern‘, dort klicke ich auf ‚Hochpass‘.

    Die Einstellungen nehme ich wie im Bild gezeigt vor: Standard Deviation auf 4.
    Der hochfrequente Anteil des Bildes wird nun in grau angezeigt und zeigt die Strukturen, welche ich nun separat bearbeiten kann.

  3. Als nächstes stelle ich den Modus der Ebene von ‚Normal‘ auf ‚Lineares Licht‘ – rechts in der Ebenenpalette, direkt über der obersten Ebene. Nun erscheint die Ebene ‚Hochfrequenz‘ wieder farbig, wenn auch ziemlich hart akzentuiert. In der Ebenenpalette wir die Vorschau aber nach wie vor in grau dargestellt.

  4. Ich schalte nun die zweite ‚Hochfrequenz‘ Ebene auf unsichtbar und markiere die ‚Niederfrequent‘ Ebene. Auch hier sehe ich jetzt zunächst noch das Originalbild. Ich wechsel ins Menue ‚Filter‘, dann auf ‚Weichzeichnen‘ und wähle den ‚Gaußscher Weichzeichner‘ aus.

    Ich übernehme den gleichen Wert, den ich schon beim Hochpass verwendet habe: 4.
    Die ‚Niederfrequenz‘ Ebene zeigt mir nun ein ziemlich weichgezeichnetes Bild. Hier kann ich nun an Farbschattierungen, Schatten, zu dunkle, zu helle Gebiete arbeiten. Ich schalte nun alle drei Ebenen wieder auf sichtbar und sehe nun das ‚Original‘. Wenn alles gut gelaufen ist und ich schalte die oberste ‚Original‘ Ebene aus, dann werde ich beim vor und zurückschalten keinen Unterschied erkennen. Sollten nun doch Unterschiede in Helligkeit, Farbe, Struktur zu sehen sein, dann einfach mit verschiedenen Werten experimentieren, bis das Optimum gefunden ist.
    Bei mir klappt es mit dem Wert 4 sehr gut!

  5. Jetzt kann retuschiert werden. Im vorliegenden Beispiel möchte ich die Kinnfalte wegretuschieren, die durch das Einknicken des Kopfes und die Draufsicht recht unvorteilhaft für die Kundin wirkt und zu Recht moniert wurde.
    Ich schalte zunächst nur die ‚Hochfrequenz‘ Ebene auf sichtbar, alle anderen auf unsichtbar.
    Links in der Werkzeugpalette wähle ich das ‚Klonen‘ Werkzeug, den Stempel. Da ich die Hautstruktur nicht zerstören oder weichzeichnen möchte, suche ich mir eine Region, die von der Porengröße passt und stempel nun die Falte weg.
    Dazu wähle ich die ‚Deckkraft‘ zu 100% und wähle ‚Harte Kanten‘. Siehe Bild:

  6. Wenn ich damit zufrieden bin und immer wieder mit dem Original den Fortschritt verglichen habe, wende ich mich jetzt dem niederfrequenten Anteil des Bildes zu. Dazu schalte ich wieder alle Ebenen bis auf die ‚Niederfrequenz‘ aus.
    Auch hier ist die Falte durch ihren Schattenwurf recht deutlich zu erkennen. Diese Ebene beinhaltet keine Strukturen, ich nehme auch wieder das ‚Klonen‘ Werkzeug aus der Werkzeugpalette und fahre zunächst die Deckkraft zurück auf ca. 30%. Den Wert musste ich durch Probieren herausfinden. 30% funktioniert meist recht gut. Wie im Bild gezeigt wähle ich ‚Weiches Zeichnen‘ und ‚Zittern hinzufügen‘. Nun stempel ich die farblichen Unterschiede vorsichtig weg. Es dürfen keine abrupten Farbwechsel entstehen – wenn es nötig ist, den Wert der Deckkraft anpassen.

  7. Nun kann ich wieder alle Ebenen aktivieren und durch an und ausschalten der obersten ‚Original‘ Ebene das Resultat – vorher/nachher – begutachten. Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, dann schalte ich die ‚Original‘ Ebene aus und wähle mit Rechtsklick in der Ebenenpalette den Eintrag ‚Neu aus Sichtbar‘.

    Jetzt passe ich eigentlich nur noch die Farbwerte an und dann wird exportiert, meist mit 300 und 72dpi – für Druck und Post!

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